Möbel (lat. mobilis = beweglich) sind frei bewegliche Stücke bzw. Einrichtungsgegenstände der Innenraumausstattung, die in ihrer Form und Gestaltung der Mode unterliegen und die Stellung der Besitzer in der Gesellschaft deutlich machen. Schon immer legte man Wert auf schöne Möbel, die nicht nur den Lebensgewohnheiten entsprechen, sondern auch zweckbestimmt und formschön sind, den Modestil der Zeit ausdrücken. Die Stile Möbel in den Epochen gehen fließend ineinander, beginnen und enden nie abrupt –innerhalb der Epochen und Länder gibt es stets verschiedene Stil- bzw. Mischformen der Möbel.
Während des Mittelalters, der Zeit der Gotik (12. – 16. Jahrhundert) entwickelten sich die Möbel aus der Romanik, sie wurden filigraner, mit Ornamenten und Schnitzereien (Ranken, Faltwerk usw.) reich verziert und abwechslungsreich. Der halbhohe Schrank mit ein oder zwei Türen entstand aus der Truhe, die auch weiterhin mit besonders kostbaren Eisenbeschlägen verziert wurde. In der Zeit Renaissance (Beginn 16. – Beginn 17. Jahrhundert) orientierte sich an den Formen der römischen Möbel – bei den Bettpfosten und Tischen verwendete man gedrechselte Beine, Schränke und Truhen wurden mit reichen, fließenden Schnitzereien und Malereien versehen.
Die Möbel des Barock (etwa 1570-1770) repräsentieren, ebenso wie die Bauwerke, mit den reichen, schwülstigen und prunkvollen Verzierungen, Reichtum und Macht. In dieser Zeit wurde die Furniertechnik erfunden. Barock bedeutet „unregelmäßig“ (portug. barocco), was sich besonders durch das Knorpelornament, durch Kugel-oder Klauenfüße, durch wertvolle Intarsien, Malereien mit viel Gold und üppige Ornamente ausdrückte. Die Zeit des Rokoko (1730-1790) – auch als Spätbarock bezeichnet, ähnelt dem Barock, jedoch haben die Möbel noch geschwungenere, verspieltere und asymmetrischere Formen. Im Klassizismus (1770-1830) geht man in der Gestaltung der Möbel wieder auf die Formen des klassischen Altertums (griech. Antike) zurück – klare Linien, geometrische Form. In die nachfolgende Zeit des Biedermeier (1815-1848) besinnt man sich, besonders im Bürgertum, auf die Eleganz der Möbel, die sowohl unprätentiös, solide (feines Holz, edel poliert, mit feinen Intarsien), als auch bequem sind. Typische Möbel, wie Sekretäre, Kommoden, Sofas und Stuhle sind elegant, zweckmäßig in ihrer Gestaltung und dennoch gemütlich. Die Möbel aus der Zeit des Historismus und der Gründerzeit (1850-1900) ahmen Formen vergangene Stile nach (Neobarock, Neorokoko, Neohistorismus oder Neugotik), um so den Reichtum der Besitzer (Bürgertum) nach außen zu dokumentieren. Neue Produktionsformen erlaubten eine schnelle Herstellung der Möbel.
Die Epoche des Jugendstils (1890-1910) mit seinen verschiedenen Formen setzte, nach dem Vorbild der britischen Arts-and-Crafts-Bewegung, neue Maßstäbe in der Gestaltung der Möbel, die durch Sachlichkeit, Funktionalität und vor allem durch dekorative, flächenhafte, geschwungene, geometrische Linien und florale Ornamente beeindrucken. Mit dem Bauhaus-Stil (1919-1933) wurde auch in der Herstellung der Möbel eine neue Epoche eingeläutet, man legte Wert auf die formschöne und funktionale Möbel, auf die Verarbeitung neuer Materialien, wie z. B. Stahlrohr in Verbindung mit der industriellen Produktion. Die Möbel im Art Déco-Stil (1925-1945) haben keine eindeutigen Stilmerkmale, sondern lehnen sich in ihrer Form (florale und organische Elemente) zum einen an den Jugendstil an und zum anderen überraschen sie mit Eleganz, Funktionalität, mit der Verarbeitung kostbarer Materialien, durch kräftige und intensive Farben, Kontraste und Sinnlichkeit. Dieser Stil endete mit dem 2. Weltkrieg.